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Es war einmal ein Mädchen, das war allein. Es war allein in einem großen Haus. Die Eltern kannte es nicht mehr. Sie lebten wohl noch und schrieben anderen. Doch wennfalls der Vater plötzlich durch den offenen Kamin rauschen würde, oder die Mutter im Keller hurtig röchelnd herumkröche, das Mädchen wüsste nicht, wer das wohl wäre.
Nun war es ein erstaunlich heißer Karfreitag und das Mädchen durfte nicht mal mehr tanzen und es lag so vor sich, spielte auf seinen Geräten und draußen wehte ein lauer, stetiger Wind.
In der offenen Küche fiel plötzlich etwas zu Boden. Im Keller ging das Licht an und die Kellertür auf.
Und es wurde merkwürdig warm. Das Mädchen lag auf einer legendären Couch, die Verandatür war offen.
In den schönen Hecken war etwas. Nicht dass es es sehen konnte, es wusste einfach, dass da etwas war, oder einer. Und es schien ihm, als ob oben, in den Schlafzimmern etwas sehr, sehr Schweres und unendlich Trauriges über die abgezogenen Dielen geschleift würde.
Das Mädchen war voller Freude, lief glatt hinaus in die Hecken und packte den Schemen direkt beherzt bei den Augen, schrie mit ihm sein letztes Lied und stopfte ihm allen Dreck und Boden und Heckenstecken in den Hals, bis er verstummte. Es war nicht still. Im Keller waren 18 dunkle Kleine, die auf irrwitzig winzigen Hufen die steile Treppe hochtrabten und aus verfetzten, staubigen Streicheltiermündern chorisch ein gottloses Muuuhhh flüsterten. Das Mädchen schrie in die Brust und holte das Feuer und machte den Herd an und nahm jedes einzelne Kleine ganz quick und quetschte das Schöne raus und warf es unter ihre Füße und trampelte rum und zündete alles an und schämte sich, weil es eigentlich wusste, wer sie waren – die Kleinen. Nun brach die Decke und es quollen wollene Schafsaugen von oben herab und aschfahle Ohren erhoben sich an den Nisseln der Lider der Verbrannten und horchten jetzt lauernd, was wohl das Mädchen sagen würde. Das Mädchen ging nun nach oben, sprang selbst durch die Decke und brach sich zwei Beine und lag alleine im Zimmer vor der Verandatür und es war erstaunlich heiß für einen Karfreitag und weil es noch nicht wusste, dass Beine so schön sind, scherte es sich nicht weiter um den Schmerz und kroch durch die Verandatür zurück hinein in die Hecken und da lag es und war nicht mehr so ganz allein, denn es hatte getötet – den Schemen, die Kleinen und die wahren Waren, die waren von nun an immer bei ihm und dennoch musste es verhungern. Aber das war ihm egal und klar war, dass sein Steckenpferd nicht fliegen konnte.

Muuuuhh Mumm, Mimmi, sag mal hey.
Deine Stimme kenn ich. Barbaross Day.
Komm will singen. Bin kein Vieh.
Frag die Toten.
Lieber Nie.

Kann kaum tanzen,
aber besser als die,
Muuuh Mumm, Mimmi
Sag mal Hey.

Töte jeden, den ich nicht kenn.
Weiss von allen.
Wenn ich mich schäm.

Liebe dennoch.
Wirklich nichts.
Doch auch das,
Gefällt mir gut.
Mumuuu Mimmi. Sag mal …… Buuuhhhhh.

 

Andreas Schwarz

 

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