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Mord als schöne Kunst zu betrachten – das ist mein Beruf. Verlage bezahlen mich, um quasi „im Auftrag“ zu töten. Auf dem Papier.
Warum mache ich das? Bin ich krank im Kopf? Lasse ich fiktives Blut fließen, um keine echte Täterin zu werden? Denkbar. Schon als Kind schlich ich mich in die Erwachsenenabteilung der Stadtbücherei, um Agatha Christie zu lesen. Weil die Schwester eines Mitschülers aus der Grundschule erwürgt wurde und ich herausfinden wollte, wie Mörder ticken? Möglich. Aber ich tippe eher auf Größenwahn: Mit einem Mord bringe ich das Chaos ins Universum meiner Bücher – und gottgleich kann ich die Ordnung wiederherstellen, indem ich am Schluss den Schurken seiner gerechten Strafe zuführe. Das ist enorm befriedigend. So weit, so gut. Deshalb schreibe ich Krimis. Jedoch keine Spannungsliteratur.
Meine Bücher sind weder blutrünstig noch grausam – sie sind humorvoll. Ja, in der Tat. Auch den Tod betrachte ich mit einem Augenzwinkern. Nicht nur fiktiv, auch real. Mit 19 erkrankte ich schwer, hatte in den folgenden drei Jahrzehnten zwei Nahtod-Erfahrungen, und beide Male war es zwar physisch unschön, aber innerlich blieb ich ganz ruhig – und das sicher nicht aus einer durch jahrelanges Meditieren gewonnenen Gelassenheit heraus, nein, beim Meditieren schlafen mir immer die Beine ein – einfach aus dem völlig unerklärlichen, aber tiefen Wissen heraus, dass alles gut ist, so wie es ist, egal, was kommt. Zweimal spürte ich, nee, es ist noch nicht soweit. Aller guten Dinge sind drei … bin sehr gespannt, wie es beim nächsten Mal sein wird. So oder so, alles ist gut. Das gibt mir die Gelassenheit, mit dem Sensenmann zu spielen. Ihn schmunzeln zu lassen.

Always look on the bright side of life. And death.

Tatjana Kruse

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