291

ich sterbe gerade jetzt. man sieht es nicht. ich atme, ich sehe die Dinge klar. bald werden wir unsere Decke zusammenrollen und davongehen. ich werde dann noch ein wenig gestorbener sein. es ist 14 Uhr, après-midi. man riecht Autoabgase, Brot, das stinkende Wasser der Seine. es stinkt, als würde der Luftdruck sich verändern. du weißt, dann regnet es bald. atme tief ein, Kanalgestank. morgen bleiben wir im Hotel, den ganzen Tag.

bald ist es ein Jahr her, da sagte ich dir, ich würde bald sterben. du hast mich lange und so ganz eigentümlich angesehen. dein Blick verriet: du dachtest an deinen toten Hund. du hast dich an das Gefühl erinnert. an den Moment, an den Schnitt in der Realität. zwei Wochen lang gingst du apathisch durch eine völlig neue Welt. ich weiß noch, wie das bei meinem Hund war. der Tierarzt prognostizierte ein natürliches Organversagen, es läge an uns, dem Hund das Leiden zu ersparen. meine Mutter war bei mir, einer musste es aussprechen. ich gab schließlich den Befehl, meinen Hund töten zu lassen. und der letzte Herzschlag unter meiner Hand. das geht nie mehr weg von mir.

als ich mich entschied, dich nach Paris mitzunehmen, lud ich dir die Last auf, mich bis an meinen Moment

ich darf bestimmen. auf diesem Trip bestimme ich das Tempo. du bist völlig leer und offen, du bist eine breite Schale, die ich mit mir herumtrage. das Licht fällt in dich, der Schall der Stadt prallt an deine Seiten, du bist voll mit Klang. morgen wird es regnen, wir bleiben im Hotelzimmer, wir essen Brot und Käse und Trauben, wir trinken Wein, wir lassen einen französischen Trash-TV-Sender laufen, dazu lieben wir uns, auf den Baguettekrümeln, verstehst du, ich wollte dir das zeigen. in einem Jahr wirst du sagen: vor einem Jahr war ich mit Annemarie in Paris.

der Moment, in dem du gewaltsam geöffnet wirst, ohne dich dagegen wehren zu können. ich liege im Bett, du sitzt an der Seite, die Ärzte sagen, dass es soweit ist. alles stiert auf einen Fluchtpunkt, der plötzlich rasant näher rückt. du hast das schon so oft gesehen, im Fernsehen. und weißt du noch, als dein Hund starb? nichts konnte dich darauf vorbereiten. es entsteht ein Bild in dir, das alle anderen Bilder vernichtet. du, in diesem Raum, mit mir. all die Szenen aus Filmen und Büchern, in denen ein Mensch im Sterben liegt. sie alle sind plötzlich nicht mehr existent, denn nichts davon ist jemals bedeutsam gewesen. alles, was nicht echt und nicht bedeutsam war, alles Erdachte, Inszenierte, alles verdampft angesichts der Konturschärfe, der sengenden Klarheit des Jetzt. von nun an keine Einhörner, keine sprechenden Bäume, nichts dergleichen mehr. das einzige fiktive Wesen, das einzige, woran du fortan glauben wirst, das werde ich sein. eingebrannt in dir, für immer, in dieser einen Szene, an einem Ort mit einer Weggabelung. dies ist ein Übertritt und ein Verfehlen, das du für immer auf- und ablaufen lassen wirst, immer und immer wieder, in dir werde ich ewig sterben. das und weißt du noch, Paris? das geht nie mehr weg von dir.

 

 

Ianina Ilitcheva

 

 

 

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122

Tabletten. Papa telefoniert. Ich bin sechs und noch auf dieser Welt. Die unbekannten Tabletten und die ferne Oma sind es nicht mehr. Niemand sieht mich hier stehen, hören, begreifen. Sie sehen nur das, was ihnen am Telefon gesagt wird. In der weit entfernten Wohnung von Opa und Oma ist jetzt nur noch ein Opa und keine Oma mehr und das hat etwas mit Tabletten zu tun.

Eine Woche lang wohne ich bei einer Freundin. Meine Eltern sind fort. Ohne mich. Ich bin zu klein für eine Beerdigung. Ich bin zu klein, um alleine trauern zu können, aber schon so groß, dass das keiner merkt. Mit meiner Schulter ist etwas. Sie tut mir weh. Die fremde Mutter sticht mit einer Nadel hinein. Teersalbengeruch an meinem Geburtstag. Nach ein paar Tagen gehöre ich wieder zu meiner Familie. Ich soll in mein Bett, will aber ohne Schlafanzug nicht hinein und in den kann ich nicht, weil mein Arm sich nicht bewegen lässt. Will meinen Eltern keine Last sein. Still auf der Bettkante sitzen und warten. Entdeckt werden. Krankenhaus. Die Entscheidung zwischen Vollnarkose mit Krankenhausübernachtung und einer örtlichen Betäubung ist leicht. Ein dunkelblaues muffiges Tuch über mir. Darin ein Loch, eine Schulter, eine Spritze, ein Schnitt, eine Nadel, ein Faden. Fertig. Wieder zu Hause. Jetzt darf ich. Ich lasse mich und meine ersten Tränen ins Kopfkissen fallen.

Nun mein bester Mensch. Der Anruf ist noch nicht beendet, da weiß ich es schon und laufe hinaus. Sitze unter leeren Kastanienbäumen. Solange ich weg bin, ist Opa nicht tot. Noch hat es mir niemand gesagt. Da waren ein Telefonhörer, das Gesicht eines Mannes, das seinen Papa verloren hat, und Beine, die mich forttrugen. Es ist kalt. Ich warte, bis ich größer bin und gehe zurück. Krebs. Sie wollten kein Kummerkind und haben verschwiegen. Was ich zuvor belauscht habe, behalte ich für mich. Ich bin elf Jahre alt und kenne kein selbstbestimmtes Sterben. Keine Sterbehilfe. Aber ich versuche zu verstehen und beobachte den Sohn, der vom Krankenhaus vor die Wahl gestellt worden ist. In Opas Zimmer war Besuch und als der ging, ging auch der Opa. Wenn Sie keine Fragen stellen, ist er seinem Krebsleiden erlegen. Fragen Sie, ist alles anders und amtlich. Mein Vater ist riesengroß. Er fragt nicht. Er ist wie mein bester Mensch. Ein Beschützer. Denn auch der geht nicht einfach so von mir fort. Steige ich aus dem Schulbus, sehe ich ihn mit dem Rücken zu mir die Straße entlanglaufen. Er ist es nicht. Ist es doch. Tag für Tag geht er für mich. Eines Mittags blicke ich ihm nach, bis er hinter einer Kurve verschwindet, und lasse ihn ziehen. Der Faden zwischen uns spannt sich und zerspringt.

Er geht zur Bushaltestelle. Will die Straße überqueren. Ein Knall. Blaulicht. Auf dem Asphalt eine gelbe Einkaufstasche. Die Ärzte können die Blutungen nicht stoppen und sagen, dass er sterben wird. Zeugen gibt es nicht. Samstag, 11:41 Uhr. Ich war bis fünf Uhr morgens in der Disko. Der Anruf hat mich geweckt. Solange er operiert wird, soll ich zu Hause bleiben und warten. Das Telefon klingelt. Ein Freund, den ich liebe oder nur sehr mag oder lieben könnte, wenn er mich lieben würde, ist seit einer Woche verschwunden. Ist er bei mir? Nein, bei mir ist keiner. Selbst ich bin nur als Floh hier, so klein. Ich muss wachsen. Warten. Größer werden. So wie ich jetzt bin, kann ich nicht bleiben.

Der eine taucht wieder auf, der andere treibt auf der Wasseroberfläche und geht nach vier Monaten unter.

Scherze auf der Intensivstation. Aus lachenden Augen die Werte auf dem Monitor checken. Normal sein. Blut in Beuteln. Oben läuft es rein, unten wieder raus. Ein nicht gelähmter Körper, der sich nicht bewegen will. Augen, die mich ausdruckslos ansehen. Ein nahes Gesicht, das mir plötzlich ganz fremd ist. Das weint, weint, weint. So viele Tränen habe ich noch nie gesehen. Ein Schnitt. Er könnte nun sprechen und gibt weiterhin keinen Laut von sich. Das Nichtwissen bleibt. Nicht wissen, ob er versteht, uns erkennt, ob er leben oder sterben will. Kann ich Sterbebegleitung? Ich nicke.

Allein mit mir zerfalle ich, erbreche mich nach jedem Krankenhausbesuch, gehe frierend ins Bett, zittere meine Augen zu. Dann geht meine Zimmertür auf und er kommt herein. Er steht an meinem Bett, blickt auf mein schlafendes Ich und die Lungenmaschine pumpt. Luft rein. Luft raus. Luft rein. Luft raus.

Aus.
Drei Nächte lang trinken, drei Nächte lang irgendwen küssen.

Sie ist krank.
Ich muss das übrig gebliebene Kind sein können.
Wir wanken lauschend durch die Tage, leben drüber, drunter, mittendrin.

 

W.

 

 

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121

Ich fahre schnell. Rollsplitt spritzt unter den rutschenden Reifen. Ich werde fallen.

Vor den Augen wieder: Der Mann fällt aufs Gleis. Die U-Bahn bremst sachte. Der Mann versucht, aufzustehen. Stolpert. Die U-Bahn rollt auf ihn zu. So quälend langsam. Er wirft sich zur Seite. Wir rollen in Zeitlupe weiter, als gehöre alles so, als sei das hier geplant. Ich denke »bremsen«, nur dieses eine Wort, und die üblichen Muskeln ziehen unwillkürlich die nicht vorhandene Bremse. Wir sind schon so langsam, gleich werden wir stehen, gleich, aber nicht gleich genug; steh doch auf da unten, bitte. Ein dumpfer Schlag, ein leichter Stoß unter den Fußsohlen nur – weniger, als wenn ein Auto über einen Kanaldeckel fährt; mehr wie das Abrollen beim Gehen mit einer Falte im Socken. So viele Tonnen Stahls, erschüttert durch weiches Fleisch und hohle Knochen. Dann ist alles ruhig.

Aufhören zu bremsen, die Reifen greifen wieder. Es geht steil bergab, viel zu schnell kommt die Kurve näher.

Überall, jederzeit: Dieser Laster kommt bestimmt von der Straße ab. Der Kran wird über mir seine Last verlieren, ich ziehe den Kopf ein. Gleich wird das Stahlseil der Brücke reißen. Jemand schubst mich vom Bahnsteig, wenn ich zu nahe stehe. Wenn nicht diesmal, dann morgen, in fünf Minuten.

Sie sagen, man könne das Leben mehr schätzen nach solchen Ereignissen.

Ich bin noch zu schnell, ich werde fallen. Jetzt. Nicht in fünf Minuten. Sich in die Kurve legen, den Lenker loslassen und sich abstoßen, sich schlitternd seitlich aufreißen. Oder gerade in die Bankette und über das Vorderrad ins Gebüsch absteigen; vielleicht, vielleicht nicht mit dem Kopf auf einen Stein (einen Helm tragen hieße nachzugeben). Es kommen sehen, aber nicht mehr verhindern können: zerfetzte Glieder. Der Schädel Matsch. Diesmal ich.

Sie sagen, man könne das Leben mehr schätzen nach solchen Ereignissen. Das ist falsch. Ich klammere mich daran.

Ich entscheide mich, kühl, ohne Zögern. Ich halte auf das Gebüsch zu, nehme die Kurve zu groß, um weicher zu fallen; auf Gras statt auf Stein. Ich falle sofort, schlittere, zu schnell für viel Schmerz.

Diesmal also noch nicht.

 

Gerle Tröger

 

 

 

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120

Aaron starb an seinem 12. Geburtstag. Vom »tragischen Ende eines Geburtstags-Rundflugs« sprachen die Medien an diesem 2. Juli 2006, nachdem der »Himmelsschreiber« über dem Hamburger Hafen abgestürzt und ausgebrannt war. Das 44 Jahre alte Flugzeug vom Typ Beaver DHC-2 de Havilland war regelmäßig nahe der Überseebrücke zu Rundflügen über die Hansestadt gestartet und hatte, wie die Untersuchungen der Luftsicherheit ergaben, einen Motorausfall. Deutschland war gefangen im Weltmeisterschaftsfieber, und die traurige Nachricht vom Flugabsturz mit fünf Toten und einem Schwerverletzten beherrschte nur kurz die Nachrichten.

Es war ein strahlender Julitag und ich befand mich zusammen mit einer Freundin und unseren Kindern im Strandbad Tegel, als ich vom Tod des einzigen Sohnes meines Bruders erfuhr. Der Anruf meiner Mutter erreichte mich, noch bevor die Bildzeitung Wind von dem Unglück bekommen hatte und schnell hatten wir die traurige Gewissheit, dass Aaron zu den Toten gehörte. Mein Bruder war noch auf dem Weg nach Hamburg, um seinen Sohn zum Geburtstagfeiern abzuholen – entgegen den Medienberichten überlebte nicht er als Einziger den Absturz, sondern Aarons Stiefvater. Nie werde ich den Anblick des Zimmers mit den fertig verpackten Geschenken vergessen, das unverändert geblieben war, als wir zur Beerdigung nach Hamburg fuhren.

Aaron wurde in unserer Familiengrabstätte in Stade beigesetzt, meine damals 6-jährigen Töchter haben ihm ein Fernrohr ans Grab gelegt, damit er uns besser sehen könne. Monatelang versuchten sie, »seinen« Stern am Himmel auszumachen und sprachen viel über den Tod ihres Cousins. Kinder haben einen sehr direkten, auf der einen Seite religiösen, auf der anderen Seite fast wissenschaftlich anmutenden Umgang mit dem Sterben: sie zweifeln nicht an einem Leben nach dem Tod und sind gleichzeitig neugierig, was aus den sterblichen Überresten wird.

Mir hat dieser unmittelbare Umgang mit dem Tod sehr geholfen in einer Zeit des Schmerzes, der Ohnmacht vor dem Unfassbaren und des tiefen Mitleids für meinen Bruder. Denn was gibt es Schlimmeres, als sein eigenes Kind zu verlieren, das man 12 Jahre lang geliebt hat und das kurz vor dem Erwachsenwerden aus dem Leben gerissen wird? Ohne Vorwarnung, ohne die Möglichkeit, sich zu verabschieden? Als mein über alles geliebter Großvater starb, flog ich Hals über Kopf von Venedig nach Hamburg, um ihn noch einmal zu sprechen. Schmerzhaft auch das, aber ungleich gerechter, wenn jemand im Alter von fast 90 Jahren eines natürlichen Todes stirbt. Bei Aaron war es etwas kategorial anderes und jeder, der selbst Kinder hat, kann sich vorstellen, dass es nie wieder wie vorher sein wird.

Mein Bruder hat den Verlust seines Sohnes mit erstaunlicher innerer Stärke ausgehalten und verarbeitet. Monatelang konnte er nicht arbeiten, trotzdem hat er nie versucht, Schuldige zu finden. Es ist ihm durch Entschlossenheit gelungen, sein Leben auf positive Weise weiterzuleben. Ich bewundere das sehr – noch heute denke ich, dass ich an seiner Stelle lieber mit meinem Kind gestorben wäre.

 

Gesa Noormann

 

 

 

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119

Bild 1

Vor dem scheinbar geordneten Schrank steht eine Frau Anfang Dreißig mit schwarzbraunem, ungekämmten Haar. Die Frisur ähnelt einem schwarzen Helm, glatt. Glänzend. Nur am Hinterkopf stehen Haarbüschel wie knorrige Äste ab, die dem repetitiven Kratzen gewichen sind. Ihren Oberkörper hat sie auf der rechten Bildseite halb aufgerichtet gegen Teile der Küchenzeile gelehnt; dabei stützt sie ihr linker Arm. Mit der rechten Hand verdeckt sie die pulsierende Schlagader am Hals. In dieser Haltung, mit leicht gesenktem Haupt, wendet sich die Frau nicht nur offen dem Betrachter zu, einem Porträt ähnlich. Ihre Beine zittern. Mit der rechten Hand erfasst sie eine Tasse.

Vor sechs Jahren stehe ich in der Küche. In der Hand halte ich erst ein Getränk, dann die Küchenarbeitsplatte, meinen Kopf, meine Ohren. Dann lange die Augen.

Bild 2

Das in dunklen Farben gestaltete Zimmer ist von oben fast ohne räumliche Tiefe dargestellt. Eine auffällige weiße Wolke bildet sich um ihren Kopf. Die Haarbüschel verschwinden im hellen Nebel. Die Frau tastet sich langsam an der Küchenzeile entlang, lässt das Telefon aus der Hand gleiten. Es fällt mit einem dumpfen Schlag auf die Fliesen, Kunststoffteile springen weg.

Ich glaube, es muss ein Telefonat gewesen sein, bei dem es ganz kurz um etwas Banales wie Einkäufe ging. Etwas später an diesem Tag möchte ich mich dann nie wieder mit Banalem befassen. Ich erzähle etwas, um nicht fragen zu müssen, wie es ihr geht. Schließlich frage ich, wie es ihr geht. Stille am anderen Ende der Leitung. Dann höre ich stoßweises Einatmen. »Sie ist tot. Es gab ein Problem.« Stille, dann langes Einatmen. »Jemand hat einen Fehler gemacht.« Ihre Stimme klingt metallisch in meinem Ohr. Dann ganz weich. Für ein paar Sekunden bleibt alles stehen. Die Welt bleibt so lange stehen, bis wesentliche Teile in meinem Kopf betäubt sind.

Bild 3

Die farbliche Gestaltung des Bildes ist auf wenige Farbtöne begrenzt. Die Palette beschränkt sich im Wesentlichen auf Weiß, das Hellgrau der Schrankreihe, das stumpfe Grau der verkalkten Spüle, das Dunkelgrau am Boden, das Schwarzbraun ihrer Haare und Augen, ein ins Blaue gehendes Moosgrün sowie sehr hellgelbes Beige für die Haut der Frau.

Ich fühle, wie ich in das große Spülbecken falle, in alle Richtungen zerfließe, zum Abfluss fahre, in die Tiefe gerissen werde. Aus dem Telefon spricht es noch, das ist mir alles zu weit weg, um zu verstehen. Mein Körper rauscht. Eine große Mütze aus weißer Watte bildet sich um Stirn und Schädel. Ich spüre, wie ich mich aufrecht im Raum bewege. Frage mich, ob es Temperatur gibt, bemerke nur noch Rauschen. Warten darauf, dass der Schmerz startet.

 

Ihr Tod verändert meine Welt. Ein Teil davon verfällt zu Ruinen. In den kommenden Jahren werde ich nicht versuchen aufzubauen, was zerstört wurde.

 

Chouxsie

 

 

 

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118

An der Anmeldung vorbei, der Aufzug bleibt links liegen, die Treppen hoch, alle vier Stockwerke im Fluge, kurzer Gruß in die Kanzel der Schwestern und Pfleger, verharren vor dem Zimmer 419, sich gerade hinstellen, ein freundliches Gesicht aufsetzen, gut so, jetzt steht es mir, nicht anklopfen, sie ist ja alleine, oder vielleicht doch, eine Schwester huscht vorbei, darf ich zu ihr, ein Zurücklächeln, Sie dürfen immer zu ihr, so oft Sie wollen, so oft Sie können, so oft es geht, schon hat sich die Schwester mit ihrem weißen Kittel im weißgestrichenen Flur aufgelöst, meine Schonzeit läuft ab, wie lange will ich auf die nächste Schwester warten, beherzt die Klinke drücken, die Tür gibt nach und lädt mich ein, hinein, hinein in den gedämpft beleuchteten Raum zu treten, vor das Bett. Da liegt die Frau, die mir das Leben geschenkt, die mich lieb gehabt, die es mit mir immer nur gut gemeint, die sich immer Sorgen um mich gemacht, die ihr Leben lang geschafft hat, ein Haus gebaut, ein Geschäft aufgebaut und es geführt hat, Garten, Haus, Mann vorbildlich versorgt, sich um ihre Eltern, Verwandte und Freunde gekümmert hat, am Bettgestell mit weißen Bandagen festgebunden, an Schläuchen angeschlossen, die aus zerknautschten Plastikbeuteln kommen und in Blutergüssen münden, beatmet durch einen gurgelnden Anschluss an der Nase. Sie greift mit ihrer blauädrigen Hand, die den Spielraum eines kleinen Blattes hat, das sich im Winde dreht, nach meiner. Sie reißt ihre Augen ganz weit auf, die sagen, es reicht, wir haben alles gesehen, die sagen, noch etwas sagen wollen, versagen. Hauchen aus rissigen Lippen. »Peter, ich wünsche dir alles Gute.« Ich streiche Falten aus dem Laken und bleibe.

 

Claus-Peter Schmidt

 

 

 

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117

Anja hielt sich nur für bedingt sterblich. Sie dachte, ihr Immunsystem sei durch den wiederholten Verzehr von ungewaschenem Obst und den frühkindlichen Konsum von Sand so robust wie ein Lederhandschuh. Mit Warnungen ging sie eher lax um, sah diese als Provokation, stellte sich vor Verbotsschilder und streckte ihnen die Zunge raus. Wenn etwas verboten wird, markiert man dies gern durch Durchstreichen. Rot durchstreichen. Anja freute sich immer, wenn man vor lauter rotem Durchstreichen kaum noch ahnen konnte, was darunter verboten war.

Sie mochte auch die schwarz-weißen Rahmen, die 3–4 mm dick in Helvetica fett auf Zigarettenschachteln vor dem Rauchen warnten, ja, sie suchte förmlich die Begegnung mit dem Tod:

»Rauchen tötet«.
»Rauchen kann tödlich sein«.
»Rauchen kann zu einem langsamen und schmerzhaften Tod führen«.

Der schwarze Traueranzeigenrahmen signalisiert: Als Raucher bist du ja quasi schon tot. – Hier wird echter Unfug mit der Kausallogik betrieben.

Ein allgemeiner Ausruf wie »Rauchen tötet« wird begleitet von einem spezifischeren Zusatz, der sich etwa an eitle Frauen oder fortpflanzungswillige Männer richtet:

»Rauchen lässt Ihre Haut altern«.
»Rauchen kann die Spermatozoen schädigen und schränkt die Fruchtbarkeit ein«.

Aua. Schon syntaktisch aua.
Die Sätze sägen, radikal banal. Aber wenn es wie bei der Hautalterung ohnehin um Eitelkeiten geht, warum dann nicht zusätzlich auf das sekundäre Eitelkeitsprojekt, den symbolischen Körper des Heims zielen?

»Rauchen macht ihre Wand gelb«.
»Raucher müssen ihre Vorhänge öfter waschen«.

Alles ist Rauchen, Raucher, Rauch. Falls du Identitätsdissoziationen hast, ist eines immerhin sicher: Du bist Raucher. Interessant auch der Umgang mit Modalverben: Rauchen kann Sperma verlangsamen, aber gilt dieses kann auch für die Fruchtbarkeit?
Und: Was ist nun, tötet Rauchen generell oder kann Rauchen tödlich sein, beide Warnungen sind gleichberechtigt im Katalog vorhanden. Überhaupt, dieses kann: Welche Möglichkeit ist hier gemeint? Dass Rauchen es vermag zu töten, also die Fähigkeit besitzt, dich umzubringen? Oder, dass es noch nicht ganz klar ist, ob Rauchen dich tötet, dass es aber sein könnte? Kann hat von allen Modalverben den weitesten Semantikspielraum. Wen warnt man wie und wen wovor?
Es geht letztlich um sprachlich konstruierte Verantwortlichkeiten: Der Tod hat Wegweiser, die man besser nicht übersieht, weil sonst der Staat und die Gesellschaft dem Lungenkrebskranken »Ich hab’s dir ja gesagt« entgegen plärren. Gesundheit wird wie so vieles privatisiert und schuldbesetzt. Per Traueranzeige wird die Solidarität gekündigt: Der Sinnüberschuss der Moderne war die Kritik. Heute ist es die Kontrolle. Gegen das Zittern kommt man nur mit Rauchen an.

 

Anja Schürmann

 

 

 

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116

Die Flüchtigkeit des Todes im Computerspiel hat einen neuen Begriff notwendig gemacht: Permadeath. Der permanente Tod. Irgendwann in der Geschichte von Games fingen Spielfiguren an, nicht wieder aufzustehen. Kein Continue. Kein 1-Up. Keine Phönixfeder. Kein Leben nach dem Tod. Das finale Ableben von Aerith aus Final Fantasy VII hat sich besonders tief in das popkulturelle Gedächtnis eingebrannt. In der Mitte des Spiels wird sie überraschend von Sephiroth ermordet und kann nicht wiederbelebt werden. Für die Spielenden ein Schock. Der Anekdote nach, versuchen auch 18 Jahre nach der Veröffentlichung noch immer Menschen, den Tod von Aerith zu vereiteln. Aber auch auf dem höchsten Level und mit der besten Ausrüstung lässt sich ihr Permadeath nicht aufhalten. Möglicherweise ist vielen Gamern bei dieser Erfahrung zum ersten Mal die wirkliche Tragweite des Todes bewusst geworden. Feinde und Nebenfiguren sterben ständig, aber unsere Avatare, die Verkörperung unserer Göttlichkeit im Spiel, sollten eigentlich unsterblich sein. Sie sind die Werkzeuge, durch die wir in Spielwelten handeln. Ein sehr intimes Verhältnis. Ihr Tod ist durch das Wegfallen von Handlungsoptionen deutlich spürbar. Es wäre zynisch, das ohne Weiteres auf die Realität zu übertragen, aber auch in unserem Alltag ist der Tod selten permanent. Menschen sterben jeden Tag, aber wir nehmen das nicht wirklich wahr. Ihr Tod bleibt flüchtig. Eine Information, die wir zur Kenntnis nehmen und dann wieder zur Tagesordnung übergehen. Erst wenn er uns nah kommt, wenn er intim ist, wird er permanent. Vor etwa zehn Jahren wurde der Tod für mich dauerhaft. Ein Arzt auf Hausbesuch stand auch nach mehrfachem Klingeln vor einer verschlossenen Tür. Da seine ältere Patientin die Wohnung unmöglich hätte allein verlassen können, musste es ein ernsthaftes Problem geben. Ich war zufällig vor Ort und jung genug, um über eine Leiter in das offene Balkonfenster einzusteigen. Dunkle, muffige Zimmer, wie in einem Horrorgame. Und im Schlafzimmer fand ich sie dann schließlich. Wie ich später erfahren habe, wurde ein Abschiedsbrief gefunden. Die Dame hatte sich mit einer Überdosis Insulin das Leben genommen. Ich fand also keinen Menschen vor, der friedlich eingeschlafen war, sondern einen Menschen, der in den letzten Minuten seines Lebens heftige Krämpfe durchgemacht haben musste, um schließlich aufgebäumt neben dem Bett zu erstarren. Mund und Augen weit aufgerissen. Ein Bild, das sich ebenso fest in mein Gedächtnis eingeprägt hat wie Sephiroths Schwert in Aeriths Brust. Dieses Bild geht nicht mehr weg. Hier wacht niemand mehr auf. Das war nicht der Tod als des Schlafes Bruder. Das war Permadeath.

 

Christian Huberts

 

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115

Das Ende wird kommen, der letzte Vorhang fallen. Schluss der Vorstellung. Applaus. Dieses Bild hat etwas Würdevolles. Als wäre der Zeitpunkt nach einem Plan festgelegt. Drei oder vier Akte Leben spielen und dann darf man unter großem Beifall von der Bühne treten. Es wirkt so, als würden die Menschen es benutzen, um vor dem, was kommen wird, keine Angst haben müssen. »Es wird schon nicht so schlimm sein«, rufen sie sich zu.

Ich kann mit diesem Bild nichts anfangen. Alles daran erscheint mir falsch. Und wenn mir jemand erzählt, dass es so etwas gibt wie eine Haltung in diesen letzten Momenten, so möchte ich ihm nicht glauben. Nichts daran hat Würde. Der Tod riecht nach Desinfektionsmitteln, nach abgestandener, verbrauchter Luft, ein wenig nach Staub. Der Tod findet seinen Ort in abgedunkelten, viel zu hoch geheizten Zimmern. Menschen stehen um ein Bett herum und müssen mit ansehen, wie der Mensch in ihrer Mitte verfällt. Gespräche kreisen nur noch um Verbesserung oder Verschlechterung. Anrufe, in denen das Ende mitgeteilt wird, werden gefürchtet und erwartet. Nichts verläuft nach Plan. Die Zeit wird mal angehalten, mal läuft sie schneller, mal langsamer, nur selten im Takt. Es ist kaum zu ertragen. Und was weiß man schon darüber, ob oder wie der aus dem Leben Tretende es erträgt. Wenn ein Mensch dahin geschieden ist, mischen sich die Tränen der Trauer mit den Tränen der Erleichterung. Dann ist der Vorhang für immer zu. Kein Beifall, kein Jubel, nirgendwo. Wir halten uns an Bildern vom würdigen Tod fest, um die Trostlosigkeit zu überspielen. Damit sie nicht auch noch das Leben erfasst.

 

Nils-Peter Timm

 

 

 

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114

Die kleine barocke Dorfkirche hatte ich lange nicht mehr besucht. Als Kind war ich hier regelmäßig gewesen, hatte den goldenen Altar, die reich verzierten Putten und bunten Heiligenbilder bewundert. Oft hatte ich mir ausgemalt, wie ich als Maria mit Schwangerenbauch dringend einen Schlafplatz suchte und dann im Stall mit den Schäfchen kuscheln würde. Oder wie Jesus vom Kreuz stieg und mir tief in die Augen sah. Manchmal war ich so in meine eigenen Geschichten versunken gewesen, dass ich die Predigt verpasste und erst durch die Unruhe vor der Kommunion wieder aus meiner Gedankenwelt auftauchte. Ich war lange nicht mehr hier gewesen, war fort, in die große Stadt gezogen. Die kleine Dorfkirche war hier geblieben und öffnete ihre Pforten für mich nur noch zur Taufe und Beerdigung von Verwandten, zuletzt zur Beerdigung meiner über alles geliebten Großmutter.

Mit meinen blauen Stöckelschuhen, der engen weißen Hose und dem türkisfarbenen Spaghettiträger-Shirt bin ich, obwohl ich die Farben der heiligen Maria trage, unpassend für einen Kirchbesuch gekleidet.

Die Messe ist gut besucht, es muss wohl ein wichtiger Anlass sein. Es riecht nach Kerzen und Weihrauch. Ich stehe inmitten einer Gruppe Gläubiger, die gerade die heilige Kommunion empfangen haben. Alle tragen Schwarz. Offenbar habe auch ich das heilige Sakrament entgegengenommen, obwohl ich doch seit Jahren nicht mehr dazu gehöre. Ist das nicht Sünde? Ich bekreuzige mich, mache einen Knicks und wende mich ab, um in einer der Bänke hinter mir noch einen Sitzplatz zu ergattern. Ah, dort ist noch etwas frei, ich quetsche mich Entschuldigungen murmelnd hinein. Durch die hohen Kirchenfenster fällt Regenbogenfarbenlicht auf meine betenden Hände. Jetzt noch Engel, und ich bin im Paradies.

Der Kirchenchor stimmt ein feierliches Lied an. Ich erkenne die Melodie und singe unwillkürlich mit. Der vertraute Gesang lässt tief verborgene Empfindungen in mir aufleben. Eine engelsgleiche Stimme neben mir macht mich glücklich und zugleich traurig. Ich blicke auf meine Sitznachbarin und erkenne meine Mutter, wie sie da sitzt und strahlt – ihr blondes Haar, als wäre nie etwas gewesen, als hätten wir nicht auch sie hier beerdigt. Neben ihr mit hell leuchtender Aura meine Oma, sie sagt meinen Namen und dass sie sich freut, mich zu sehen. Ihr gütiges Lächeln breitet sich aus, über mir, wie eine Umarmung. Ich wache auf.

 

Andie Arndt

 

 

 

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